11.03.2018

Von: Albert Krohn

Die Politiker machen ja doch, was Sie wollen

 

 

Immer wenn ich dieses Stammtischargument höre, diese Ausrede, welche die eigene Untätigkeit entschuldigt, und die Schuld auf „DIE Anderen“ schiebt, werde ich wütend. Dann versuche ich es mit Erklärungen, in der Hoffnung, dass etwas ankommt. Ich berichte dann von Orten, in denen ich aktiv war. Wie in den 1970er Jahren in Südwestdeutschland bei Wyhl am Kaiserstuhl das geplante Kernkraftwerk mit dem weitgehend friedlichen Widerstand von breiten Teilen der Bevölkerung verhindert wurde. Der erfolgreiche Protest hatte Signalwirkung auf andere Standorte wie Brokdorf, Grohnde oder Kaiseraugst (Schweiz).

Darüber hinaus kann dieser Widerstand als grundlegender Impuls überhaupt für die neuzeitliche Antiatomkraft-, Bürgerinitiativen- und Umweltbewegung in Deutschland gelten, inklusive der Herausbildung und Gründung einer „grünen“ Partei. Ja, es waren gute Zeiten. Es wurde viel gestritten über die Richtigkeit von Ansichten und Einsichten. In der Auseinandersetzung von Fundis und Realos, von kämpferischen Revolutionären und Friedensbewegten, von Feministinnen und narzisstischen Alphamenschen. Die bestehenden Probleme wurden so aus verschiedenen Blickrichtungen durchleuchtet, unkonventionelle Lösungswege gefunden und beschritten.

Langsam – oft zu langsam - aber stetig wurde einiges verändert und positives erreicht. Mit einer breiten Bürgerbewegung haben wir mit fantasievollem gewaltfreiem Widerstand, mit einem großen Teil der Bevölkerung vergeblich versucht, die „Startbahn West“ in Frankfurt am Main zu verhindern. Mehr als 120.000 Menschen haben vergebens gegen die Startbahn-Pläne demonstriert. Mehr als 220.000 Unterschriften für ein Volksbegehren wurden ignoriert. Die Gewalt wurde uns von den gewählten Volksvertretern und den Bütteln des Kapitals und des Militärs aufgezwungen. Der damalige Ministerpräsident von Hessen Holger Börner (SPD) wollte uns mit Dachlatten verprügeln. Das wurde dann von Polizisten erledigt. Wir wurden geprügelt, mit Wasserwerfern und Tränengas traktiert, kriminalisiert und bespitzelt.

Als Antwort der Bevölkerung wurden erstmals in ein Landesparlament, in den Landtag von Hessen „Die Grünen“ gewählt. Während des erfolgreichen, breiten Widerstands der Bevölkerung in Rheinhessen bei Alzey, während wir die geplante Giftmülldeponie im Heimersheimer Tal verhindert haben, habe ich dann etwas begriffen: Unsere Demonstrationen, Aktionen, Informationen waren medienwirksam und haben viele Menschen davon überzeugt, dass wir richtig denken, wenn wir gegen die Umweltzerstörung aufstehen. Viele haben sich uns angeschlossen.

Wirklich verändern können wir aber nur, wenn wir in die Gefüge der Macht eindringen. Außerparlamentarische Opposition (APO) ist gut. Wirklich etwas bewirken können wir aber nur an den Stellschrauben der Macht, in den Parlamenten.

Erschüttert in meinem früheren Weltbild der APO, bin ich damals fast schamhaft einer Partei beigetreten. Konsequent und karrierefern bei „Die Grünen“. Hätte es die Mutigen, die Besserwisser 1990 nicht gegeben, wäre die Mauer in unseren Köpfen immer noch genauso vorhanden, wie es „die Mauer“ zwischen Ost und West noch gäbe. Ohne diese Mutigen würde ich heute irgendwo in Westdeutschland, irgendwo in Europa leben, aber nicht in Sachsen-Anhalt. Heute bin ich froh darum, mit interessanten Menschen hier zu leben.

Auch wenn es wieder mehr als genug Gründe gibt, mich gegen „Die Politiker“ zu engagieren, die gewählt wurden, um unsere Interessen zu vertreten. Manchmal bin ich am Verzweifeln über die Eine oder den Anderen bei Bündnis90/Die Grünen. Aber es ist immer noch besser, als nur alle paar Jahre als Stimmvieh meine Meinung durch ein Kreuz auf dem Wahlschein an irgendjemand, den ich nicht wirklich kenne, abzugeben. Um mich anschließend von diesen Volksvertretern verarschen zu lassen. Als Parteimitglied habe ich eine Chance direkt Einfluss zu nehmen.

Und jetzt darf ich Dich ermutigen: Misch Dich ein. Werde aktiv. Bestimme mit. Werde Mitglied in einer Partei. Es bedarf weniger Zeit für politisches Engagement, als Ihr mit meckern und maulen über die bestehenden Verhältnisse verbraucht. Wir können dafür sorgen, dass „Die Politiker“ nicht mehr machen, was Sie wollen.“ Sei es im Harz, im Huy, im Selketal oder in deinem Wohnort.

Die Umweltzerstörung bedroht uns, und die Zukunft künftiger Generationen. Es kann durchaus sein, dass in Deinem Wohnort gleichgesinnte sind, die Du noch nicht kennst. Umweltschützer und politisch interessierte die Deine Interessen teilen. Im Kreisverband Harz gibt es bestimmt Menschen, die so ähnlich denken wie Du.

Schreib uns einfach an welchen Themen du interessiert bist, und wo und wie Du dich engagieren möchtest. Per Email an: info@gruene-harz.de, oder per Post an: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kreisverband Harz, Bakenstraße 10, 38820 Halberstadt.

Kategorien:Kolumnen
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