09.07.2018

Mit MdL Wolfgang Aldag auf den Spuren des Bauhaus im Harz

Gesamteindruck vom Hauptgebäude über das Reflektorbecken

Licht war ein wesentliches Therapeutikum - Balkone und Fensterfronten prägen die Räume - das Reflektorbecken sollte den Lichteinfall noch verstärken

Die Gärtnerei hat bereits damals das Krankenhaus versorgt - nun wird sie von drei Menschen wiederbelebt

man trifft sich am Eingang zum Ostflügel: Steffen von der Gemeinschaft, Wolfgang Aldag (MdL, Bündnis 90 / Die Grünen) und Mathilde Lemesle (Pressesprecherin der Fraktion)

Das denkmalgeschützte Ensemble aus mehreren, z.T. voneinander abgegrenzten Gebäuden wird WGs mit unterschiedlichen, auch experimentellen Lebensstilen ermöglichen

Das Chefärztehus mit besonderem Bauhaus-Charme

Ein besonderes Schmuckstück ist der Theatersaal

Das Treppenhaus zeigt die typischen geschwungenen Formen

 

Unter dem Motto #moderndenken und im Vorgriff auf das Bauhausjubiläum war unser für den Harz zuständiger Landtagsabgeordneter Wolfgang Aldag am 29.06. auf Sommertour im Harz unterwegs. Dabei besuchte er neben der Opens external link in new windowHarzköhlerei Stemberghaus (traditionelle Harzköhlerei als "Immaterielles Kulturerbe") zwei bedeutende Zeugnisse klassisch moderner, am Bauhausstil orientierter Architektur, welche der Architekt Godehard Schwethelm in den 1930er Jahren konzipierte:

Das Opens external link in new windowDiakonissen - Mutterhaus Neuvandsburg in Elbingerode sowie die Opens external link in new windowehemalige Kinderlungenklinik in Harzgerode, in der sich gerade eine Opens external link in new windowsozial ökologische Gemeinschaft formiert. Letzterer Termin kam auf Anregung des Harzer Kreisvorstandes zustande und wurde auch von einem Kreisvorstandsmitglied begleitet.

Der Baukomplex wurde 1928-1931 als Lungenheilanstalt für Kinder nach Plänen von Godehard Schwethelm im Stil der Klassischen Moderne und in Anlehnung an das Bauhaus ("Neues Bauen") errichtet. Die Baugestaltung vor allem des Hauptflügels bezog das therapeutische Konzept mit ein: Große Fenster, Balkone und ein Wasserbecken als Reflektor sollten die kleinen Patienten mit möglichst viel Luft und Licht versorgen. 

Auch verschiedene Nebengebäude, wie die Chefarztvilla, die Quarantänestation und die Gärtnerei sind von besonderer architektonischer Bedeutung. Die Gärtnerei versorgte die Klinik mit frischem Gemüse. Insgesamt umfasst das Anwesen 21 ha Land, wovon 2/3 Wald sind.

Obwohl auch wegen der bauhistorischen Bedeutung Anfang der 1990er Jahre nochmal aufwändig für 11 Mio. DM saniert, erfolgte 1998 die komplette Schließung und ein langer Leerstand der Klinik. Dank dieser letzten Sanierung können aber Brandschutzbestimmungen weitgehend eingehalten werden, und belasten in diesem Fall die Entwicklung der Gebäude in geringerem Maße.

Seit einigen Jahren existieren Bestrebungen, die Gebäude durch eine sozial-ökologische Gemeinschaft wiederzubeleben. Der Solarunternehmer und Opens external link in new window"Gemeinschaftsstifter" Bernd Rühl hatte das Gelände 2012 entdeckt und mit der Maßgabe gekauft, es für die Gründung einer solchen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder an diese zu verkaufen.

Derzeit kümmert sich eine Kerngruppe von sieben Personen um das Anwesen. Drei bewirtschaften gegenwärtig die Gärtnerei. Weitere engagieren sich, wohnen aber (noch) nicht da. Die Fluktuation der Bewohner war in den letzten Jahren sehr hoch. Steffen führte uns als Vertreter der Gemeinschaft durch das Gebäude.

Da ein Antrag auf Nutzungsänderung des Klinikgebäudes verschleppt wurde, dürfen gegenwärtig nur fünf Personen dort wohnen. Die erforderlichen Anträge sind aber jetzt auf dem Wege, sodass man hofft, auch die bereits vollständig eingerichteten Gästezimmer und das Cafe bald offiziell wieder in Betrieb nehmen zu können.

Es gibt ein internationales Publikum an Interessenten, vor allem Belgier und Holländer, "Lost Places" Jäger und Bauhaus-Interessierte.

Geplant ist augenblicklich vor allem gemeinschaftliches Wohnen ("Von der Geburt bis zum Friedwald"). Hierarchien werden vermieden, es gibt auch keinen Projektleiter. Alle Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Die Bewohner bezahlen eine Miete, die zur Weiterentwicklung des Anwesens genutzt werden soll. Im Herbst soll die Gründung einer Genossenschaft erfolgen, die vor allem das Kapital aufbringen will, um das Objekt dem jetzigen Eigentümer abzukaufen.

Unterschiedliche WGs innerhalb der Gemeinschaft sollen unterschiedliche, auch experimentelle Lebensstile verwirklichen können. Hierfür könnten etliche Nebengebäude genutzt werden, auch die Chefärztevilla.

Das Gebäude bietet auch reiche Möglichkeiten für einen Seminarbetrieb, eine Zukunftsakademie mit Unterbringung. Hierbei sollen Umweltaspekte im Vordergrund stehen. Das Anwesen verfügt bereits über eine Pflanzenkläranlage und eine Umkehrosmose.

Ein besonderes Schmuckstück ist der Theatersaal, der früher auch als kommunales Kinos genutzt wurde. Gegenwärtig gibt es wieder ein gutes Verhältnis zur Harzgeröder Bevölkerung, die hofft, dass die Gemeinschaft ihnen "Ihre Klinik" wieder zugänglich macht.

Es wurden verschiedene Aspekte erörtert, wie die Politik den Gemeinschaftsaufbau unterstützen könnte. Es bestehen über den Denkmalschutzaspekt bereits Kontakte auch zur Staatskanzlei. Da kam Wolfgang Aldag die Idee, man sollte das Gelände einmal mit dem Ministerpräsidenten besuchen. Auch eine Fraktionsklausur von Bündnis 90 / Die Grünen auf dem Anwesen könnte er sich gut vorstellen.

Diskutiert wurde auch, inwieweit das Bauhausjubiläum noch Möglichkeiten für das Objekt böte. So brachte Wolfgang Aldag ins Gespräch, man müßte es irgendwie noch an die Opens external link in new windowRoute der Moderne anbinden. Allerdings ist die Opens external link in new windowAuswahl der Objekte für diese Route bereits erfolgt. Sie war auch mit größeren Förderbeträgen verbunden.

In Sachsen-Anhalt gibt es vier Stationen, darunter Neuvandsburg in Elbingerode. Es sollte zumindest touristisch bekannt gemacht werden, dass es lohnt, den Besuch dieser Stätten mit einem Abstecher nach Harzgerode zu verbinden.

Doch es gibt auch ganz alltägliche Probleme, wo die Hilfe der Politik hilfreich sein könnte. So sollen auf dem Gelände Komposttoiletten errichtet werrden. Die darauf angesprochenen Behörden im Harzkreis scheinen aber mit diesem Sachverhalt nichts anfangen zu können. Hier stellt sich allerding die Opens external link in new windowFrage, ob Komposttoiletten überhaupt genehmigungspflichtig sind.

Dieser Frage sollte in einer Anfrage im Kreistag nachgegangen werden, die über den Kreisvorstand von Bündnis 90 / Die Grünen an die Kreistagsfraktion herangetragen werden soll.

 

 

 

Kategorien:KV Headliner
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